Aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene Menschen entwickeln zum einstigen Ort ihres beruflichen Wirkens oftmals eine sinnliche Beziehung. Was früher als Stress und Belastung empfunden wurde, verklärt sich in der Rückschau und wird oftmals romantisierend auf wenige spektakuläre Ereignisse zurückgeführt. Dies können sowohl dienstliche Belange und Anlässe als auch Marotten und Persönlichkeitsmerkmale von ehemaligen Kolleginnen und Kollegen sein.

Bei Pensionärstreffen können gemeinsame Erinnerungen diesen Prozess verstetigen und damit das Gemeinschaftsgefühl stärken. Zur Pflege dieses Zusammenhalts hatten BSBD-Ortsverband und die Pensionärsbetreuer Antonius Beermann und Hans Hovestadt Ende letzten Jahres eingeladen und viele waren diesem Ruf gefolgt.

Der Vorsitzende Ulrich Biermann konnte neben der großen Zahl von Ehemaligen auch die Leiterin der JVA Bielefeld-Senne, LRD’in Kerstin Höltkemeyer-Schwick, und deren Vertreter, RD Rolf Bahle, begrüßen. Gemeinsam mit der Anstaltsleiterin referierte Biermann über die aktuelle Lage des nordrhein-westfälischen Strafvollzuges. Die Leiterin stellte zudem die vollzugliche Ausrichtung der Einrichtung und deren Eckdaten vor. Die Auslastung der Einrichtung habe sich auf einen Wert von 80 Prozent stabilisiert, während die Beschäftigungsquote unverändert hoch sei und aktuell einen Wert von über 90 Prozent erreiche. Damit könne jedem arbeitspflichtigen und -fähigen Gefangenen ein Beschäftigungsangebot gemacht werden. Der Personalbestand der Einrichtung betrage derzeit 427 Bedienstete. Angesichts der unterdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung könne er als gerade noch auskömmlich betrachtet werden, erläuterte die Anstaltsleiterin.

Spezielle Behandlungsangebote ausbauen

Strafgefangene weisen vermehrt spezifische Defizite auf, die spezielle Behandlungsangebote erforderlich machen. Hierauf hat die JVA Bielefeld-Senne in der Vergangenheit reagiert und nach und nach entsprechende Behandlungsangebote entwickelt und dabei die Möglichkeiten der Binnendifferenzierung optimal genutzt. Kerstin Höltkemeyer-Schwick verwies exemplarisch auf die Lebensälterenabteilung des Hafthauses Senne, in die viele Investitionen und viel Know-how geflossen seien. Derzeit bestehe für über 60-Jährige ein qualitativ hochwertiges Angebot, auf das man mit einigem Stolz blicke.

Die Jungtäterprojekte in den Außenstellen Verl und Clarholz seien ebenfalls gut aufgestellt. Hier könnten im Zusammenwirken mit externen Institutionen und Organisationen junge Straftäter optimal gefördert werden. Speziell der Ausgleich schulischer Defizite und die berufliche Qualifizierung gelinge immer besser. Daneben, so Höltkemeyer-Schwick, hätten sich die Außenstellen Rietberg, Westerwiehe und Brockhagen auf die Behandlung und Betreuung von Inhaftierten mit einer Suchtproblematik spezialisiert, während in der Außenstelle Steinhagen und dem Hafthaus Ummeln qualitativ hochwertige Angebote für weibliche Gefangene das Portfolio der Einrichtung komplettierten. Dieser eingeschlagene Weg, erläuterte die Anstaltsleiterin, werde sich auch künftig als zielführend erweisen, wenn es gelte, weitere Spezialisierungsnagebote zu entwickeln und aufzulegen.

Ortsverband ist größte BSBD-Untergliederung im Land

Derzeit ist der Ortsverband mit einem Bestand von 441 Mitgliedern mitgliederstärkste Untergliederung des BSBD-Landesverbandes. Hieran haben die Ehemaligen mit 125 Personen erheblichen Anteil. Die Pensionäre werden von den Kollegen Antonius Beermann (Herzebrock) und Hans Hovestadt (Bad Oeynhausen) bestens betreut. Kollege Beermann ließ noch einmal die Tagestouren und die viertägige Fahrt nach Schleswig-Holstein Revue passieren. Speziell die Holsteinische Schweiz rund um den Plöner See erwies sich als landschaftliches Kleinod. Die durch die letzte Eiszeit geprägte Kulturlandschaft war wie geschaffen zum Nachdenken und Entspannen. Bei einer ausgedehnten Schiffstour über den Plöner See hatten die Teilnehmer ausgiebig Gelegenheit zum Austausch von gemeinsamen Erinnerungen und Informationen. Und auch der Besuch der JVA Neumünster vermittelte interessante Einblicke, wie Strafvollzug an der Küste aufgefasst und gestaltet wird. Antonius Beermann machte abschließend auf die in 2018 geplante Fahrt in den Rheingau aufmerksam. Die Organisatoren seien bemüht, wieder ein attraktives Angebot zu entwickeln, damit kurzweilige und spannende Tage gemeinsam verlebt werden könnten.

Ehrung langjähriger Mitglieder

Dem Vorsitzenden Ulrich Biermann war es dann vorbehalten, Heinrich Vedder (Verl) für 50jährige Mitgliedschaft im BSBD zu würdigen. Für 40jährige Gewerkschaftszugehörigkeit von Sabine Alper (Bielefeld), Peter Schneider (Bielefeld) und Gabriele Westerheide (Bielefeld) bedankte sich Biermann, indem er darauf verwies, dass sich die Jubilare nicht nur dem Zeitablauf und er Überweisung der Mitgliedsbeiträge gewidmet hätten. „Auf Euch konnten wir immer zählen, wenn solidarische Unterstützung gefordert war. Ihr seid das starke Fundament für eine gemeinsame Interessenvertretung und gebt damit unseren Nachwuchskräften ein gutes Beispiel für gelebte Gemeinschaft und Solidarität“, rief Biermann der Versammlung zu. Anschließend überreichte er den Jubilaren Urkunde, Ehrennadel und ein kleines Präsent.

Oliver Buschmann

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BSBD NRW

Von BSBD NRW

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